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Wird Onlinedating die Gesellschaft verändern?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns zunächst einmal dem Phänomen Onlinedating auf eine beschreibende Art und Weise nähern. Welche Funktionen übernimmt das Onlinedating? Ersetzen diese Funktionen gesellschaftliche (also analoge) Äquivalente?

Der wichtigste Unterschied zwischen Online- und Offline-Dating

Beim Onlinedating bzw. der Partnersuche in dezidierten Internetportalen und Social Networks kommen wir gewissermaßen in die Vorzüge einiger Abkürzungen, die uns im Bestfall schneller zum Ziel führen. Während wir im realen Leben Schwierigkeiten schon da haben können, wo wir nicht sicher sind ob eine andere Person unsere Flirts versteht und erwidert, nimmt die Kommunikation über das Internet uns einige dieser Hürden ab. Ein wichtiger Begriff ist hier wohl der des Konsens. Wer sich auf einer Partnerbörse registriert, gibt allen anderen Nutzern damit Bescheid; “Ich bin auch hier, weil ich jemanden zum Daten suche” – und kann dabei sicher sein, dass alle Nutzer die selben Ziele verfolgen, so der Branchenexperte Dating Advisor. Flirts sind integraler Bestandteil der Kommunikation. “Anmachsprüche” entfallen, da der Grund für jede Kontaktaufnahme zu anderen Mitgliedern sich von selbst erklärt.

Das geschriebene Wort – Probleme und Schwierigkeiten

Fluch und Segen ist dabei die Tatsache, dass ein Großteil der Kommunikation über das geschriebene Wort stattfinden wird. Schnell bekommt man dabei das Gefühl, schriftlich nicht ein angemessenes Selbstbild vermitteln zu können. Man hat mehr Zeit, Nachrichten zu formulieren, gleichzeitig steigt aber auch das Potenzial für Missverständnisse. Wichtig ist, möglichst natürlich zu bleiben und sich nicht zu verstellen. Gerade bei Casual-Dating (C-Date) Webseiten bleibt es selbstverständlich das Ziel, sich so bald als möglich in Person zu treffen.

Und hat einer dieser Faktoren Einfluss auf die Gesamtgesellschaft?

Das Internet ist nicht erst seit gestern auf dem Vormarsch. Heute ist es nahezu überall, was nicht zuletzt der Verbreitung von Smartphones geschuldet ist. Als Kommunikationsmedium hat es Einfluss auf den Alltag aller Menschen. Nicht nur im deutschen Sprachraum haben sich mittlerweile sprachliche Neuschöpfungen etabliert, die diesen hohen Grad des Einflusses widerspiegeln. Menschliches soziales Handeln ist immer problemorientiert – mit einer angepassten Sprache können wir Informationen schneller und effektiver weitergeben und verstehen. Onlinedating ist nur ein verhältnismäßig unbedeutender Teilaspekt des Internets. Aber zweifellos verändert es unsere Gesellschaft – auch wenn dies vielleicht nicht in einem großen Maß geschieht. Allein seine Existenz als Alternative zur klassischen Partnersuche fließt in unser Denken ein. Es greift nicht selten in bestimmte Nischen, die von der hektischen und stressigen Moderne erzeugt werden – als zeitsparende Methode, ganz gezielte Personengruppen nach Partnern zu durchsuchen. Spezialisierte Partnerbörsen werben bereits damit.

Onlinedating hat einen schleichenden Einfluss. So wie alle gesellschaftlichen Veränderungen lässt dieser sich objektiv nicht als gut oder schlecht beschreiben. Dafür bedarf es einer Perspektive – und wer könnte hier besser urteilen, als jene Mitmenschen, die Onlinedating regelmäßig nutzen?